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Maillestr. 5-9
MIT DUESENJAEGER

25.11.17
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Freiburg



Leopoldring 1
MIT DUESENJAEGER

*Interview: OIRO - Ox-Fanzine / Ausgabe #78*

Mofa statt Motorroller, Alter!
Punk aus Düsseldorf hat seit den Tagen des Ratinger Hofs Ende der Siebziger den Ruch des “Kunstpunk”, was seinerzeit so mancher als Negativkriterium ansah. Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinab geflossen, wurden in Hamburg und sonstwo viele Bands gegründet und wieder aufgelöst, und Punk und Kunst stehen sich heute durchaus aufgeschlossen gegenüber. OIRO aus D-dorf sind dafür ein gutes Beispiel, denn die Band, die jüngst ihr neues Album “Vergangenheitsschlauch” veröffentlichte, ist auch über das reine Musikmachen hinaus kreativ tätig. Ich traf mich mit Sänger Jonny Bauer, der früher als Blurr-Fanzine-Macher freilich noch anders hieß, in Düsseldorf zum Gespräch.

Zu Beginn gleich die Schlaumeierfrage: Ist der Vergangenheitsschlauch das Ersatzteil, das ein Mofapunk braucht, wenn er einen Platten hat?
Ja. Und damit sind wir ja gleich beim Thema: Wer fährt denn heute noch Mofa, außer uns? Wir fahren alle Mofa!
Was denn für welche? Hercules, Batavus, Zündapp …?
Das kann man so genau nicht sagen, denn meines ist selbst zusammengebaut: Der Motor von Sachs, die Karosserie von Hercules. Hauptsache die Geschwindigkeit stimmt und es ist kein Chrom dran. Bei mir ist alles schwarz.
Und das alles ohne Führerschein.
Mit dem Autoführerschein darf man das fahren. Ich habe bei mir eine Drosselung eingebaut, aber das hindert mich nicht am Frisieren, hehe. Mein Mofa hat so einen kleinen Schalter, und wenn ich den umlege, können mir die Bullen nix. Neulich haben mich die Bullen verfolgt, mich angehalten, doch da hatte ich den Hebel schon umgelegt und die haben trotz Kontrolle nichts gefunden.
Wofür steht das Mofa denn? Es ist ja seit den Achtzigern beinahe ausgestorben, wurde ersetzt durch Plastik-Motorroller, die von hässlichen, pickeligen, jungen Menschen gefahren werden.
Das Mofa ist für mich ein Synonym dafür, was auch mit der Plattenindustrie, ja der Gesellschaft ganz allgemein passiert ist: Alles wird schnelllebiger, austauschbarer, du kannst alles kaufen, du kannst nichts mehr selbst reparieren. Und dem gegenüber steht das Ideal, das wir mit OIRO, das ich mit dem Blurr-Fanzine vertrete, eben das D.I.Y.-Ideal. Oder auf Mofas übertragen: Mach es selber, dann fährt die Karre schneller. Und natürlich steht das Mofa auch dafür, dass man damit als Sechzehnjähriger endlich überall hinkam, aus den Vororten in die Stadt. Und deshalb macht so ein Mofa viel mehr Spaß als ein moderner Roller.
Aber heute fährt kaum noch jemand Mofa.
Das täuscht. Wenn man mal darauf achtet, sieht man noch richtig viele. Das sind oft eher so Arbeitertypen und Handwerker, aber klar, das sind eher Leute über fünfzig. Ich hab da mal eine kleine Fotoserie dazu gemacht.
Ich hab da immer das Bild von einem Kleingartenbesitzer vor Augen, der noch einen Anhänger am Mofa dran hat …
... und da eine Kiste Bier drin, haha. Ich finde das schön, und es ist ja auch im Bereich der Kleingartenbesitzer, wo die Leute auch immer was Neueres haben müssen als ihre Nachbarn, eine coole Sache.
Dennoch: Mofapunk ist auch ein Widerspruch in sich selbst. Ich erinnere mich, dass in den Achtzigern die “Mofarocker” eher der natürliche Feind des Punks war. Der ist zu Fuß gegangen, und außerdem hätte so ein Helm ja die Frisur zerstört.
Mofa hat für mich halt was von dieser Anti-Attitüde des Rockers, und für uns war das Mofa eben die Möglichkeit, aus Erkrath nach Düsseldorf zu den Konzerten zu kommen.
Und, hast du das Mofa selbst bezahlt oder war das dein Konfirmationsgeld?
Ich bin nicht konfirmiert, ich hab das selbst bezahlt. Mein älterer Bruder ist ein Schrauber, der konnte das alles, der hat mir das Mofa zusammengebaut.
Diese Mofa-Faszination führte dann von ein paar Jahren dazu, dass ihr dem Rocko Schamoni-Film “Rollo Aller!” mit eurem eigenen Film “Wo die Zitronen blühen” Tribut gezollt habt.
Ja, der Film spielt mit dem Mofa-Klischee, wir waren ja auch nicht die Ersten, die sich darauf gestürzt haben. Wir wollten so einen Film einfach mal machen, und der große Spaß bestand darin, dass wir ja wirklich mit dem Mofa nach Italien gefahren sind. Wir haben zwei Wochen gebraucht, das war für uns Urlaub, und das war einfach eine geile Sache, das mit Super8 zu drehen.
Erklär doch bei der Gelegenheit mal, wer “wir” ist – es gibt da ja zwischen OIRO, Blurr-Fanzine, BRATSETH, SONIC DOLLS, der Kinogruppe “Celluloid Suckers”, der früheren Konzertgruppe im Neusser Geschwister-Scholl-Haus und diversen anderen Aktivitäten so einige Überschneidungen.
Düsseldorf als Großstadt ist ja eher klein, man kennt sich untereinander. Bei uns ist das so, dass wir Freunde sind, die früher schon zusammen in Bands gespielt haben oder eben bei Blurr Concerts zusammen Konzerte gemacht haben und seit ein paar Jahren in der “Brause” zusammen den Kunstverein Metzgerei Schnitzel machen. Frankie von BRATSETH und SONIC DOLLS etwa ist auch bei der Filmgruppe und im Verein aktiv, und so hat das den Effekt, dass du wie früher nicht nur Musik machst, sondern mit deinen besten Freuden zusammen aktiv bist. Und das hat für uns eben immer was mit D.I.Y. zu tun, ob das jetzt Film, Musik oder der Kunstverein ist. Das eine hat sich immer aus dem anderen heraus ergeben: Nach sechs Jahren war die Konzertgruppe langweilig geworden, und da kam die Idee, einen eigenen Laden zu haben, und so kamen wir eben auf die Idee, einen Verein zu gründen – sowie uns das die ganzen italienischen oder türkischen Kulturvereine vorgemacht haben. Und so zahlen jetzt 80 Leute im Monat 5 Euro, wir haben unseren eigenen Laden und können da machen, was wir wollen. Das ist also alles so projektmäßig zu sehen, wir verfolgen auch OIRO nicht unter dem Aspekt, irgendeine Art von Erfolg haben zu wollen. Für uns ist das eine Momentaufnahme.
Und die heißt “Vergangenheitsschlauch”.
Ja, und da sind wir etwas ernster geworden. Sie beschäftigt sich mit der Vergangenheit, mit dem Stillstehen in der Vergangenheit, mit der Frage, wie sich so eine Szene verändert, ob es da überhaupt positive Veränderungen gibt. Wir können eben nur machen, was dem entspricht, wie wir so drauf sind. So ist unsere erste Single ganz anders als die neue Platte. Wir versuchen uns eben immer in einem Rahmen zu bewegen, der für uns genau richtig ist: Wir haben etwas zu sagen, wir wissen genau, wie wir das sagen wollen, wir sind unser eigener Chef, der Staat kann uns nix, wir brauchen keine Sponsoren, keine bestimmten Verkaufszahlen. Das ist ein großer Luxus, und dafür haben wir jahrelang gekämpft.
Das mit dem Kunstverein ist aber auch Wasser auf den Mühlen jener, die von jeher Bands aus Düsseldorf für “Kunstpunk” halten. Und ihr seid eher Studierte als Straßenköterpunks.
Ja, sind wir, das können wir nicht leugnen, dass wir studiert haben oder zumindest angefangen haben. Aber der normale Deutschpunk war auch noch nie unser Ding, wir haben schon immer US-Punk und intelligente deutsche Bands wie DIE GOLDENEN ZITRONEN oder auch mal BLUMFELD gehört. Für mich ist es halt so, dass Kunst, wenn man die nicht als Geschäft sieht, sehr viel mit Punk zu tun hat. Denn das Kunstgeschäft ist ein ganz schlimmer Geschäftszweig, als Galerist bewegt man sich auf einem ähnlichen Terrain wie ein Immobilienmakler und du hast mit den schlimmsten Menschen auf dieser Welt zu tun. Und wenn wir die “Brause” also als Kunstverein ausgeben, ist das in Düsseldorf ganz einfach, alle Genehmigungen zu bekommen – würden wir das “Punkverein” nennen, wäre das sicher schwieriger. Und da die Stadt so klein ist, treffen sich bei uns eben Leute aus den verschiedensten Szenen, die aber die gleichen Ideale haben. Das ist für mich der Gegenpol zu großen Städten wie etwa Köln, wo für jedes Genre ein eigenes Angebot existiert, aber dafür muss man hier eben selbst den Arsch hoch kriegen. Von daher klingt das mit dem “Kunstverein” vielleicht für Außenstehende abschreckend, aber letztlich ist es ja nur der Deckmantel für die verschiedensten Aktivitäten.
... unter verschärftem kommerziellem Druck, der in einer reichen Stadt wie Düsseldorf natürlich existiert.
Klar, und mit unseren 80 Mitgliedern und 5 Euro im Monat lachen sich Leute in Berlin kaputt, da bekommst du so ein Ladenlokal wie unseres für die Hälfte.
Du hast eben mit BLUMFELD und DIE GOLDENEN ZITRONEN zwei Bands aus Hamburg als Einfüsse genannt. Wenig überraschen dürfte dich meine Frage, ob in der Aufzählung nicht vielleicht DACKELBLUT, OMA HANS und so weiter fehlen …
Wir haben gestern noch in der Band diskutiert, welche Bands heute noch konzeptionell was zu sagen hat, entsprechend auftritt und auch dazu steht. Wir fragten uns, ob DACKELBLUT so eine Band waren, und wir finden, nein, sie waren es nicht. Die stand immer nur dafür, was der Sänger ist. Demgegenüber sind die Zitronen eine Band, die ihren Weg konsequent verfolgt und dabei bewusst bestimmte Mittel einsetzt. Das war bei DACKELBLUT nie der Fall, und Jens hat ja bisher jede Band dann aufgelöst, wenn er sagte: “Feierabend, ich brauche was Neues!”. Das finde ich sehr konsequent und gut, um nicht stehen zu bleiben, aber auch irgendwie ungerecht gegenüber den anderen in der Band. Ich will damit sagen, die Band steht eigentlich für ihn und seine Aussage, und schon deshalb kann man OIRO nicht mit seinen Bands vergleichen. Wir versuchen unser Konzept, das projektorientiert ist und sich immer wieder ändert – deshalb ist jede Platte anders -, aber konsequent zu verfolgen, etwa dieses Mofa-Ding. Und auch die neue Platte soll ja für etwas Bestimmtes stehen, für das, was wir liefern können. Wenn du uns musikalisch vergleichen willst, ist es schwer für mich, dazu was zu sagen, denn ich bin zu sehr drin, und von außen hört sich sowas immer ganz anders an.
Letztlich war meine Frage aber auch nur die des Verhörenden an den Verhörten: “Geben Sie doch endlich zu, dass sie diese gewissen Hamburger Bands total super finden!”
Ja, natürlich finde ich die super!
Nur das wollte ich hören.
Man hört das das ja auch, ist doch logisch. Ich halte Jens für einen sehr beeindruckenden Menschen, sehr konsequent, und textlich macht der Sachen, die es so vorher noch nicht gab. Ich will mich da auch gar nicht vergleichen, ich mache mein eigenes Ding, aus dem aber schon meine Vorlieben herauszuhören sind. Genauso – oder sogar noch mehr – bin ich Fan von DIE GOLDENEN ZITRONEN.
Wobei Jens und die Zitronen sich ja auch recht nahe stehen, beide kein Problem damit haben, auch “richtige” Kunst zu machen, etwa im Theater.
Klar, doch das war nie ein direktes Vorbild für uns, dass wir deshalb auch was mit Kunst machen. Das hat sich einfach so ergeben. Abgesehen davon, kenne ich Jens recht gut, und wenn wir uns unterhalten, ist das für ihn überhaupt kein Thema, dass OIRO vielleicht so ähnlich sind wie DACKELBLUT und er das am Ende scheiße findet. Wir reden über ganz andere Dinge, und außerdem muss man angesichts des Altersunterschiedes – der ist rund zehn Jahre älter – sagen, dass unser Interesse an seiner Musik größer ist als andersherum. Wir tauschen uns also nicht wirklich aus.
Man definiert sich ja auch immer dadurch, was man nicht ist, und so ist Punk mit deutschen Texten eben was anders als Deutschpunk.
Ein guter Vergleich und schön, dass du das so sagst.
Und was verbindet dich mit deiner schicken Umhängetasche mit dem Köterpunk in der Fußgängerzone?
Ganz klar: Der Bandname! Wenn da einer auf der Straße sitzt und sagt: “Hast du mal ‘nen Euro?”, ist doch alles klar. Unser Gitarrist hat neulich ganz stolz erzählt, auf der Straße sei ihm ein Punk entgegen gekommen und hätte was mit “Oiro” gesagt, und er war stolz, endlich mal als Bandmitglied erkannt worden zu sein. Die Illusion musste ich ihm leider rauben, der Typ wollte ihn nur anschnorren, haha.
Was ist eigentlich mit dem Blurr passiert? Das war mal so ein Fanzine aus Düsseldorf …
Boah, das war ein geiles Fanzine. Das Problem war, dass wir mit unserer Auflage von 1.500 Stück und einem Verkaufspreis von drei Euro nicht mal das Geld wieder reinbekommen haben, das uns der Druck gekostet hat. Wir wollten eben, dass das Heft so und so aussieht, mit den Farben und so, damit wir zufrieden sind. Ich arbeite in dem Bereich, da hat man halt einen gewissen Anspruch. Und nach vier von unseren “neuen” Nummern, die ja Themenhefte waren, standen wir vor dem Problem, dass die Druckkosten nicht mehr reinkamen und wir derzeit privat auch nicht das Geld übrig haben, um das zu finanzieren. Wir wollen ja so wenig wie möglich arbeiten, um viel Zeit für unsere diversen Projekte zu haben. Wir hätten also die Ideen für ein neues Heft, aber das Geld dafür ist nicht da. Stattdessen haben wir letztes Jahr in Düsseldorf eine Ausstellung zum Thema “Karriere” gemacht, in einer Galerie in Düsseldorf, die uns eingeladen hat. Und nachdem das letzte Heft 2006 erschienen ist, wollen wir jetzt Ende 2008 ein neues machen.
Schade eigentlich, dass ihr nicht aktiver seid. Denn auch, wenn sich Blurr und Ox doch immer auch aneinander gerieben haben, schätze ich euer Heft doch. Deshalb finde ich es auch schade, dass Hefte wie Out Of Step, Gags ‘n Gore oder Plot nicht mehr existieren, denn da existierte ein sportlicher Wettkampf untereinander.
Das ist aber für mich ein Beweis für den Zustand der Szene. Wir sind ja alle so in der Hardcore-Szene großgeworden, das war eine sehr von Idealismus, von der Szene in Washington, D.C. geprägte Bewegung, durchaus eine Abgrenzung vom Punk. Ende der Neunziger gab es dann diese Rückbesinnung hin zum Punk, weil in der Hardcore-Szene alles viel zu versteift war, und da ist die Frage, wo ist das alles geblieben? Von den Konzertläden, die ich damals kannte, gibt es nur noch wenige, von den Leuten von damals sind auch nur noch wenige geblieben, und von den Heften eben auch. Und bei den neuen, nachkommenden Leuten vermisse ich so etwas die Attitüde, einfach sein Ding durchzuziehen – weshalb ja HAMMERHEAD auch so wichtig waren. Man sollte zumindest etwas machen, was Angriffsfläche bietet. Und wo sind denn heute die Bands, die das Maul aufreißen und was zu sagen haben? Mittlerweile ist es doch scheißegal, ob eine Band aus der Punk-Szene mit den BEATSTEAKS vor 9.000 Leute spielt, ist doch alles gut, ist doch alles in Ordnung! Jeder toleriert alles! Und da muss sich einfach jemand hinstellen wie damals HAMMERHEAD und das Maul aufreißen in der Öffentlichkeit. Ob die Leute privat dann wirklich so sind, ist doch eine ganz andere Sache. In der Öffentlichkeit musst du dich eben verkaufen, du verkörperst irgendwas.
Und wo stehen OIRO?
Das ist das Problem: Ich kann dir das auch nicht so erklären, aber das ist ja bei vielen Bands so, dass sich so Fragen stellen wie: “Wo finden wir uns wieder, wo gehören wir dazu, was unterscheidet uns, was haben wir zu sagen?” Wenn wir da von DACKELBLUT reden, ist es eben Jens, der den Unterschied ausmacht, doch so eine Person hat kaum eine Band. OIRO sollen heute nicht die Band sein, die sich groß mit aufrührerischen Posen hervortut, aber ich will, dass da eine Band von Achtzehnjährigen steht, die das macht. Nur sehe ich so eine Band nirgends! Und wir wissen als OIRO nicht, wo wir stehen, denn wir wissen zwar, was wir zu sagen haben, wissen aber nicht, ob der Rahmen, in dem wir uns bewegen, noch der richtige für uns ist. Und so versuchen wir, mit unseren Platten und Konzerten rüberzubringen, wer wir sind, was wir sind, und dazu gehört wiederum diese Mofapunk-Sache, dass es von den Leuten in der Band mittlerweile drei Kinder gibt, dass wir politisch sind, aus einer gewissen Szene kommen.
Apropos Szene: Was für Leute kommen zu euren Konzerten?
Ich glaube, es sind keine Plastic Bomb-Leser, ohne das jetzt werten zu wollen. Wir haben noch nie auf so einem Festival gespielt, wo Bands spielen, wo solche Leute hingehen, und ich glaube auch nicht, dass das Interesse aus solchen Kreisen an uns besonders groß ist. Vielleicht hört uns auch der eine oder andere aus der Indie-Szene, aber vor allem hören uns, glaube ich, Leute, die schon länger dabei sind, und solche, die sich auch mal intellektuell mit Punk auseinander setzen. Auch das sind dann eher nicht die Leute mit Riesen-Iro, obwohl wir auf Konzerten durchaus auch mal solche haben. Die Szene ist heute eben viel schwerer zu greifen, das war früher einfacher, da gab es nur Kapuzenpulli oder Iro.
Anderes Thema: Ihr seid nicht die Typen, die für ein Album ein halbes Jahr in Studio gehen, oder?
Nee, das ist bei uns eher eine Momentaufnahme. Ich finde Bands total scheiße, die ein Jahr ins Studio gehen und endlos an ihrem Album herumdoktorn. Das ist totaler Quatsch! Für vierzehn Songs brauchen wir drei Tage zum Aufnehmen und noch mal zwei zum Abmischen, dann ist die Platte fertig. Klar gibt es da auch mal Momente, wo die Musiker in der Band mit dem einen oder anderen nicht so zufrieden sind, aber das ist egal, die Platte steht da und wir machen ein Jahr später wieder eine Scheibe, die uns aktuell widerspiegelt. Und wenn mir dann jemand sagt, er fände ja “Mit dem Mofa nach Italien” viel besser, dann ist mir das egal – die neue Platte ist halt etwas düsterer, es muss ja nicht immer ein Party-Punk-Kracher sein.

Joachim Hiller