Diese Jugendlichen
rauchen Zigaretten ohne Filter,
weil da einfach mehr rauskommt.

OIRO LIVE DATES

23.11.17
Kultube
Mönchengladbach



Luisenstraße 93
MIT DUESENJAEGER

24.11.17
Komma
Esslingen



Maillestr. 5-9
MIT DUESENJAEGER

25.11.17
White Rabbit
Freiburg



Leopoldring 1
MIT DUESENJAEGER

Vergangenheitsschlauch || Vinyl LP / 12"

Vinyl Cover
Hat man von Oiro noch nie was gehört, vermutet man hinter dem nicht besonders glücklich gewählten Bandnamen anständigen Oi-Punk.

Weit gefehlt, liebe Leute! Denn wie nicht mehr nur Insider wissen, hat sich die Kombo aus Düsseldorf mit feinstem Avantgarde-Punk längst eine breite Fangemeinde erspielt. Nach ihrem mit großen Erwartungen aufgenommenen Erstling “Als was geht Gott an Karneval” legen sie nun mit “Vergangenheitsschlauch” nach.

Obwohl die 14 Songs, die nur gut 37 Minuten einnehmen, alle irgendwie düster wirken, hat das Album ordentlich Power. Ganz deutlich steht der Gesang im Vordergrund, der nicht ohne Grund oft mit dem von Dackelblut verglichen wird. Das Stimmenspektrum verläuft sich eher im Horizontalen, wird bisweilen von einer zweiten Gesangslinie ergänzt und gibt den Liedern eine Authentizität und Dramatik, der man sich nicht entziehen kann.

Das ist den Liedtexten mehr als angemessen. Denn hier haben wir es mit einer Band zu tun, die wirklich etwas zu sagen hat, das aber intellektuell und künstlerisch so geschickt verpackt, dass das Gesungene mehr Nachdenken einfordert, als man beim ersten Hören einer CD gewöhnlich aufbringt. Die Texte sind tiefgründige Gesamtkunstwerke, denen man einzelne Sätze nicht entreißen kann. In ihnen beziehen Oiro Stellung gegen das selbstgefällige Establishment (siehe auch Cover), etablierte Alternative und zur Makulatur gewordene Widerstandshaltungen und machen klar: Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Das alles kulminiert in der Frage: “Ob Menschen überhaupt etwas denken?”

Die musikalische Untermalung all dessen ist stimmig. Obwohl die Melodien oft nur im Hintergrund auszumachen sind, erkennt man doch mutige Klangfolgen, die sich auch mal neben die Spur begeben. Das haben sich die Düsseldorfer eindeutig von den Goldenen Zitronen abgeguckt und beweisen damit 1a-Geschmack. Getragen wird das meist von hohen Gitarren und einem soliden Schlagzeug, das zu Beginn des Albums zunächst im mittleren Tempo verharren muss, bis es dann aber voll durchbrechen darf und echte Kopfnicker wie “Hände” oder “Terminvorschlag gestern” hervorbringt.

Zu letzterem fehlt leider der Text im simpel, aber wirkungsvoll mit den handgeschriebenen Lyrics gestalteten Booklet. Dafür ist der von “Toni Lampo” zweimal drin. Mhm. Dann muss man bei Lied 9 eben ganz genau hinhören. Unsere uneingeschränkte Aufmerksamkeit hat allerdings auch der ganze Rest verdient.

Betty Blue
in Whiskey Soda
©The Alternative Music Magazin